Geselligkeit, auch mit leerem Geldbeutel: Das Weihnachtsfest der Tafel Welzheim

Von Franziska Lemoine

Welzheim. Geselligkeit und gutes Essen: Für viele Menschen gehört das selbstverständlich in der Weihnachtszeit dazu. Für die Menschen, die selbst beim Kauf einer Tüte Mehl ihr Kleingeld erst zusammenzählen müssen, ob es reicht, ist es das ganz und gar nicht. Die Tafel Welzheim hat sich daher vor fünf Jahren ein besonderes Geschenk ausgedacht: Ein kostenfreies, gemeinsames Weihnachtsessen für Kundschaft und Helferteam. Was in diesem Jahr neu war und wie es 2025 bei der Tafel lief, erzählt der erste Vorsitzende, Klaus Schiele.

Es wurde voll in der Eugen-Hohly-Halle, als alle angemeldeten Gäste zum Weihnachtsessen eintrafen. Rund 130 Menschen versammelten sich, setzten sich gemeinsam an die langen Tische. Dann wurde getafelt. Auswählen konnten die Kunden und Helfer der Tafel in diesem Jahr aus drei Hauptgerichten, „zwei fleischlastige Essen – da achten wir natürlich auch auf muslimische Kunden – und ein vegetarisches Gericht“, erzählt Schiele.

Nach dem Essen drehte dann der Nikolaus seine Runde

Um 18 Uhr ging es los mit einer Begrüßung und dem herzlichen Dank ans Helferteam, das das Jahr über die Tafel am Laufen halte, berichtet Schiele. Dann sei kein Halten mehr gewesen: „Das Büffet wurde eröffnet, die Schleusen gingen auf, sag ich mal“, Schiele lacht. Das Salatbuffet und die warmen Speisen, die in diesem Jahr vom Gasthaus Grüner Baum in Welzheim kamen, fanden reißenden Absatz. „Ich hab mich dann umgezogen, hab mal so grob geschaut, wann die Kinder fertig sind mit Essen“, erzählt der Tafelvorsitzende. „Dann bin ich als Nikolaus durch die Reihen gegangen.“

Das ist schon für manche Kinder, die mit christlichen Weihnachtstraditionen groß werden, ein Ereignis. Im kulturell und religiös bunt gemischten Saal der Hohly-Halle zog er sofort die Blicke auf sich – und löste auch so manche Reaktion bei den Jüngsten aus. „Manche haben geweint, viele haben gelacht“, so Schiele. Und dann gab es noch die Frechdachse: „Die haben mich am Bart gezogen, wollten wissen, ob ich wirklich der Nikolaus bin“, Klaus Schiele muss lachen bei der Erinnerung.

Auch der Nikolaus hatte am Ende Tränen der Rührung in den Augen

Gut für ihn, dass Bart und Perücke gut kaschierten, dass ihm selbst die Tränen in die Augen stiegen. Er sei halt sehr emotional, so Schiele – und der Abend und die strahlenden Gesichter der Kinder, „das ist schon ergreifend.“ Schüchterne und naseweise: Alle Kinder erhielten einen Schokoladen-Weihnachtsmann vom Nikolaus, den die meisten gleich verputzten – zumindest erklärt sich Schiele den steigenden Lärmpegel der ausgelassen durch die Halle tobenden Kinder im Nachhinein schmunzelnd durch die süße Nascherei.

„Viele haben sich bedankt, dass es ein schöner Abend war“, das freut Schiele, besonders auch für sein Team, das das ganze Jahr über kräftig mit anpackt. Das Weihnachtsessen 2025 fand zum fünften Mal statt. Seither wurde das große Festessen getragen von einem Großspender, in diesem Jahr übernahm die Tafel die Kosten dafür selbst, allein von der Tafel Deutschland gab es noch einen Zuschuss. Auch, dass in der Hohly-Halle gefeiert wurde, war neu in diesem Jahr.- die Stadt stellte die Halle dafür zur Verfügung.

Ohne Sach-und Geldspender gäbe es die ganze Tafel Welzheim nicht

Als das Fest gegen 20 Uhr offiziell zu Ende war, trafen dann die Schüler der Bürgfeldschule ein, die beim Auf- und Abbauen halfen – um ein bisschen Geld in die Klassenkasse zu spülen. Das Fest hätte alles in allem reibungslos funktioniert: „Unsererseits ist das schon vorgesehen, das auch weiterhin zu veranstalten. Hängt halt von den Spenden ab“, Schiele bleibt Realist. „Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Spendern von Sach- und Geldspenden bedanken“, betont er – ohne die gäbe es nicht nur das Weihnachtsessen, sondern das gesamte Angebot der Tafel schlicht nicht.

Aktuell hat die Tafel Welzheim 68 Mitglieder (leicht rückläufig). Das klingt nach vielen Händen, die anpacken können. Allerdings relativiert sich das, als Schiele erzählt: „Für den reibungslosen Ablauf der Tafel sind rund 55 Ehrenamtliche tätig. Man darf das nicht unterschätzen.“ Da gelte es dreimal die Woche Ware abzuholen, Waren vorzubereiten, dann den Ladenbetrieb zu stemmen, an der Kasse, hinter der Theke, am Einlass, zum Auffüllen. Der Einlass ist inzwischen über ein Nummern-Ticketsystem geregelt, um eine gewisse Gerechtigkeit zu erzielen“. Und im Lager wird immer genug zurückgehalten zum Nachfüllen, damit auch die, die eine höhere Nummer gezogen haben, am Ende noch eine große Auswahl haben.

800 Personen aus 26 Nationen kaufen Grundnahrungsmittel bei der Tafel

„Durchschnittlich sind es 34 Einkäufe pro Öffnungstag“, dabei gehe es rein um die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Die kommen beispielsweise von Einkaufsmärkten und anderen Sachspendern – was dann noch fehlt, kann das Tafel-Team aus dem Zentrallager in Ebnat holen oder von den Geldspenden selbst einkaufen. Die Tafel wurde auch 2025 stetig angenommen, so Schiele. Zwar sei die Anzahl der Ausweise in der ersten Jahreshälfte 2025 gesunken gegenüber dem Vorjahr, doch „jetzt ist eine leichte Tendenz nach oben wieder da. Insgesamt ausgestellt haben wir über 300 Ausweise, dahinter stehen über 800 Personen aus 26 Nationen.“ Den größten Anteil machten Ukrainer aus, dann folgten Deutsche – zusammen bekamen sie rund ein Drittel der Ausweise.

Tafel Welzheim

Von Montag, 22.12.2025 bis Montag , 05.01.2026 hat die Tafel geschlossen(Winterpause). Ansonsten ist der Tafelladen in der Bahnhofstraße 3 in Welzheim immer Montag, Mittwoch und Freitag, jeweils von 14 bis 15:30 Uhr geöffnet.

An diesen Tagen ist zu den Öffnungszeiten und zusätzlich von 9 bis 11 Uhr auch die Abgabe von waren im Laden direkt möglich. Wer spenden will, aber nicht vorbeikommen kann, oder wer helfen möchte, kann telefonisch unter der Nummer 07182/9355590 oder per E-Mail unter kontakt@tafel-welzheim.de Kontakt aufnehmen.

Am Freitag, 6.März 2026, findet im Gastheus Grüner Baum in Welzheim die jährliche Mitgliederversammlung statt.